Theateraufführung von Teatro Trono am 2. Oktober, 10:30 Uhr im Haus der Jugend in Charlottenburg. Anmeldung hier.

›Arriba El Alto‹ ist eine Hommage an die Heimatstadt von Teatro Trono. Ein Häusermeer bedeckt heute die karge Hochebene westlich des Regierungssitzes La Paz in Bolivien. Zunächst waren es nur ein paar Marktflecken entlang der Eisenbahnlinie La Paz – Oruro, nach und nach füllten sich diese mit Bauern und Minenarbeiter, die auf der Suche nach einem besseren Leben von den Provinzen an die Ränder der großen Städte geschwemmt wurden.

Szene Arriba El Alto
Szene aus Arriba El Alto

Unter den Angeschwemmten sind die Heranwachsenden Victoria und Ángel, die sich in der Stadt begegnen. Beide haben ihre Wurzeln in den Traditionen des Hochlands. Victoria trägt die Pollera, das Markenzeichen indigener Frauen, einen langen Faltenrock. Ángels Familie kommt aus den Bergbaugebieten Boliviens, sein Vater war Bergarbeiter und hat dem Inneren der Anden Reichtümer entrissen. In der Stadt El Alto, die um sie herum im Zeitraffer wächst, finden sie die Liebe zueinander. Die Umstände lassen das Glück aber nicht ungetrübt gedeihen.

Der junge Ángel soll in die Kaserne gehen, notwendige Voraussetzung, um zum Mann zu werden. Es heißt in Bolivien, dass jeder Mann einen kleinen Soldat in sich trägt. Victoria versucht dagegen beruflich Fuß zu fassen. Der Rassismus verbaut ihr eine Karriere. Als ›Chola‹, als Indígena in Pollera scheitert sie beim Vorstellungstermin. Ohne Perspektive und ohne Ángel an ihrer Seite durchlebt sie eine Identitätskrise. Sie ist hin und hergerissen zwischen den Traditionen ihrer Familie und dem modernen Leben in der Stadt.

Arriba El Alto II
Szene aus Arriba El Alto

Sie lässt sich treiben und begegnet der Stadt und ihren Protagonisten. Sie trifft einen Maurer, der davon träumt sein eigenes Heim zu bauen, modern und nach westlichem Vorbild, begegnet dem Chauffeur eines Minibusses, der sein klapperiges Gefährt jeden Tag durch die verstopften Straßenschluchten manövriert und El Alto mit zigtausend weiteren Minibussen in eine Wolke aus Diesel eintaucht, begegnet Marktfrauen und Schuhputzern. Am Ende kommt sie an einer Menge vorbei. Ein Dieb, der das schnelle Geld machen wollte, wurde erwischt und wird fast zu Tode geprügelt. Die Figuren, denen Victoria begegnet, streben nach einem westlichen Leben und verbinden mit sozialem Aufstieg materielle Statussymbole. Die Traditionen, die Ehrung von Pachamama, von Mutter Erde ist, in den Hintergrund getreten. Die Notwendigkeit, die Harmonie zur Umwelt und zur Gemeinschaft zu suchen, wie es die Vorfahren getan haben, scheint in der Stadt dem Vergessen preisgegeben zu sein.

Erst als der Präsident zum Ausverkauf des Landes aufruft erwachen die BewohnerInnen der Stadt und besinnen sich auf das Erbe des Hochlands. Es kommt zum Aufstand. Wachgerüttelt geht auch Victoria auf die Barrikaden, um den Ausverkauf des Erdgases zu verhindern. Hier begegnet sie Ángel wieder. Als Soldat steht er auf der anderen Seite und wird er aufgefordert auf sein Volk zu schießen. Was soll er tun?