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Berlin ist mehr oder weniger wie El Alto?!

Reflexionen im Waschsalon!
Madelein, Diego, Claudio und Silvia über ihre Rollen im Theaterstück Arriba El Alto, ihre Eindrücke von Berlin und Deutschland und worin nun der Unterschied zwischen Berlin und El Alto besteht. Oder eben auch nicht! Aber seht selbst.

Trono-im-Waschsalon from COMPA Berlin on Vimeo.

Gutes Leben und gerechte Gemeinschaft

El Alto

Das Buen Vivir ist in der andinen Kultur tief verankert. Die Idee des guten Lebens strebt nach einem Ausgleich mit Pachamama, der Mutter Natur. Sie ist die Grundlage allen Lebens und Seins. Das Lebensziel in der andinen Welt ist es, in einem Gleichgewicht mit Pachamama zu leben, d.h. die Grundlagen des Lebens nicht zu zerstören, sondern respektvoll und schonend mit den Ressourcen umzugehen. Das Gleichgewicht der Beziehung wird auch im Sozialen zwischen den Menschen angestrebt. Das Ayllu, die Gemeinde, muss so gestaltet sein, dass es einen Ausgleich zwischen den Mitgliedern gibt. Daher gilt das Prinzip des Aini, des gerechten Tausches. Wer etwas gibt, muss etwas bekommen, um es grob vereinfacht auszudrücken. Eine besondere Rolle spielt das Mallku, das Amt. Es ist in den Gemeinden in Bolivien traditionell rotierend. Jedes Mitglied der Gemeinde muss wissen, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, um das Mallku im Sinne des Ayllu, der Gemeinde, auszufüllen.

Pueblo der Creadores

Teatro Trono und COMPA orientieren sich an der andinen Lebensweise. Die Theatergruppe esperimentiert in ihrer Kunst mit Formen des Zusammenlebens in einer Gemeinschaft in Harmonie mit Mutter Erde. In den Yungas, fünf Autostunden von El Alto entfernt entsteht ein Künstlerdorf. In El Alto ist Teatro Trono ein Teil der Nachbarschaft. In einer neuen Publikation wird die Idee einer gerechten und horizontalen Gemeinschaft vorgestellt: Pueblo de Creadores.

Seilbahn statt U-Bahn

La Paz und El Alto trennen 500 Höhenmeter. Wenn man von Satélite ins Hochtal von La Paz hinunterblickt, kann es einem schwindlig werden. Die 4.100 Meter hoch gelegene Ebene, das Altiplano, bricht urplötzlich ab und steile Felsen fallen in die Tiefe. El Alto liegt oben, La Paz unten.

Blick von El Alto auf La Paz
Blick von El Alto auf La Paz mit Gipfel Illimani im Hintergrund

Eine U-Bahn zu bauen ist aufgrund der Höhenunterschiede unmöglich. Seit 2014 verbindet die zwei Städte eine Seilbahn. Die gelbe Linie verbindet El Alto mit dem Stadtzentrum von La Paz.


In dreizehn Minuten gondeln die Fahrgäste ins Tal

Bisher wurde der Höhenunterschied von einer Armada von Sammeltaxis und Kleinbussen überwunden. Im ersten Gang quälten sich die alten Toyotas und Suzukis den Hang hoch. Hinunter ins Tal waren immer gute Bremsen gefragt. Nun schweben die Paceños und Alteños ins Tal hinunter und hinauf. Die Seilbahn entlastet die Umwelt und macht die Straßen sicherer.

Teleférico
Manche Bolivianer*innen vermissen ihre alten Minibusse und hätten sie gerne als Kabine

El Alto – 100 Prozent Migration

Szene Arriba El Alto „Als ich in El Alto ankam war ich noch ein Kind. Ich erinnere mich noch, das im Schoß meiner Mutter der Geruch heiliger Düfte zu Ehren von Pachamama meine Nase umtanzte. Und mein Vater bat zur gleichen Zeit die Berggötter um ihren Schutz als wir ankamen“, Victoria

El Alto besteht zu 100 Prozent aus Migration. Jede und jeder, der in El Alto geboren ist, ist selbst zugewandert oder die Eltern oder Großeltern sind zugewandert. Die Stadt ist das Resultat von Landflucht. Sie ist entstanden aus den Träumen der Menschen, ein besseres Leben in der Stadt zu finden, dem Elend und der Armut der ländlichen Regionen zu entkommen. Ein Großteil der Stadt entstand im Zuge der Schließung vieler Bergwerke in den 80er Jahren im Zuge der neolibarelen Politik in Bolivien. Tin Tin, Schauspieler von Teatro Trono: „Die ersten, die nach hierher kamen, waren entlassene Bergleute. Es gibt in El Alto eine weit verbreitete Willkommenskultur. Bei uns wird niemand abgewiesen, der neu ist. Unsere Mütter und Väter waren selbst Migranten und bauten die Stadt auf. Der älteste Stadtteil Satélite trägt bis heute diese Spuren und zeigt, wie wir die Stadt nach und nach aufgebaut haben“.

El Alto im Überblick

Wappen El Alto Vom höchsten Gipfel der Welt möge sich die Stadt erheben. Dort, wo sich niemals die Sonne über unser Geschlecht (Rasse) senken wird“ So steht es im Wappen der Stadt El Alto geschrieben. Laut der bolivianischen Statistikbehörde hatte die Stadt El Alto bei der letzten Erhebung 2011 ca 850.000 Bewohner*innen. Bei Wachstumsraten von rund 9 Prozent im Jahr ist davon auszugehen, dass die Millionengrenze inzwischen überschritten ist. Bei den letzten Präsidentschaftswahlen haben ca 80 Prozent der Wahlberechtigten für den indigenen Präsidenten Evo Morales gestimmt. 2/3 der Bevölkerung gelten als arm. Während der vergangenen Jahre ist die Anzahl der Armen in ganz Bolivien, auch in El Alto, gesunken. Dennoch sind viele Menschen von der Armut bedroht. In El Alto gibt es kaum Individualverkehr. Dennoch sind die großen Avenidas der Stadt jeden Tag von den über 10.000 Minibussen verstopft, die die dünne Luft in 4.100 Metern Höhe in einen Dieselgeruch tauchen. Es fehlt an Infrastruktur, Wasseranschlüssen und Sicherheit. Die Nachbarschaften haben sich deswegen organisiert, um sich selbst zu helfen. Dabei haben sie einiges erreicht. Die Wasserversorgung wurde auf öffentlichen Druck nicht privatisiert, sondern ist in öffentlicher Hand. Wenn es um den Bau von Infrastruktur geht oder um die öffentliche Sicherheit, die Alteños reden mit und beteiligen sich an der Gestaltung ihrer Stadt. Weitere Infos zu El Alto findet ihr hier